Beim Aufstehen wird Ihnen plötzlich schwindelig, die Sicht wird kurz schwarz oder Sie fühlen sich ungewöhnlich kraftlos? Ein Blutdruck von 90 zu 60 kann dafür eine Erklärung sein, muss aber nicht automatisch gefährlich sein. Entscheidend sind die Begleitsymptome, die Häufigkeit der Messung und die Frage, ob der Wert in Ruhe korrekt ermittelt wurde.
Die wichtigste Einordnung bei einem niedrigen Blutdruckwert
- 90 zu 60 mmHg gilt als niedriger Blutdruck, ist bei beschwerdefreien Menschen aber nicht zwingend krankhaft.
- Schwindel, Ohnmacht, Sehstörungen oder starke Schwäche machen den Wert medizinisch bedeutsamer.
- Eine einzelne Messung reicht nicht aus. Ruhe, Manschette und Körperhaltung beeinflussen das Ergebnis.
- Flüssigkeitsmangel, Medikamente, Hitze oder langes Stehen gehören zu den häufigen Auslösern.
- Brustschmerzen, Atemnot, Bewusstlosigkeit oder kalter Schweiß sind Notfallzeichen für den Notruf 112.

Ein Wert von 90 zu 60 ist nicht automatisch gefährlich
Der obere Wert beschreibt den systolischen Blutdruck. Er entsteht, wenn das Herz Blut in die Arterien pumpt. Der untere, diastolische Wert zeigt den Druck während der Entspannungsphase des Herzens. Bei einem Ergebnis von 90/60 mmHg liegt der Druck also eher am unteren Rand.
Als grobe Orientierung gilt ein Ruhewert unter etwa 90/60 mmHg als niedriger Blutdruck, medizinisch Hypotonie genannt. Diese Grenze ist jedoch kein Schalter, der zwischen gesund und krank unterscheidet. Manche Menschen haben solche Werte dauerhaft und fühlen sich völlig fit. In diesem Fall besteht häufig kein Behandlungsbedarf.
Anders sieht es aus, wenn der Wert neu auftritt oder Beschwerden verursacht. Für meine Einordnung zählt deshalb nicht nur die Zahl auf dem Display, sondern vor allem, wie es Ihnen dabei geht. Ein niedriger Wert ohne Symptome ist meist weniger dringlich als ein plötzlicher Blutdruckabfall mit Schwindel oder Ohnmacht.
Welche Beschwerden und Ursachen dahinterstecken können
Typische Anzeichen eines zu niedrigen Blutdrucks
Häufig berichten Betroffene über Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, kalte Hände und Füße oder ein Gefühl von Benommenheit. Auch Ohrensausen, Übelkeit, Herzklopfen und kurzfristige Sehstörungen können auftreten. Besonders auffällig ist, wenn die Beschwerden beim Aufstehen beginnen und im Sitzen oder Liegen rasch nachlassen.
Eine ausgeprägte Form kann zu einer Ohnmacht führen. Das ist nicht nur wegen des Blutdrucks problematisch, sondern auch wegen der Sturz- und Verletzungsgefahr. Wiederholte Ohnmachtsanfälle sollten ärztlich abgeklärt werden, selbst wenn die Erholung danach schnell eintritt.
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Häufige Auslöser im Alltag
- Zu wenig Flüssigkeit, starkes Schwitzen, Durchfall oder Erbrechen können das Blutvolumen vermindern.
- Hitze und langes Stehen erweitern die Gefäße und können das Blut in die Beine verlagern.
- Medikamente, etwa gegen Bluthochdruck, Entwässerungstabletten oder bestimmte Psychopharmaka, können den Druck senken.
- Eine orthostatische Hypotonie entsteht, wenn der Blutdruck beim Wechsel vom Liegen oder Sitzen zum Stehen deutlich abfällt.
- Erkrankungen der Schilddrüse, des Herzens oder des Nervensystems kommen ebenfalls als Ursache infrage.
- Blutverlust, schwere Infektionen oder allergische Reaktionen können den Blutdruck akut und gefährlich absenken.
Auch Schwangerschaft, sehr geringe Kalorienzufuhr und intensiver Sport können vorübergehend eine Rolle spielen. Ich würde deshalb nicht vorschnell nur von einem „schwachen Kreislauf“ sprechen, wenn die Beschwerden neu sind oder zunehmen. Entscheidend ist, was sich gegenüber dem persönlichen Normalzustand verändert hat.
So prüfen Sie, ob der Wert wirklich zu niedrig ist
Ein Messfehler ist erstaunlich häufig. Wer direkt nach dem Treppensteigen, mit überschlagenen Beinen oder einer zu kleinen Manschette misst, erhält möglicherweise einen Wert, der die Situation nicht zuverlässig abbildet. Für die Heimmessung ist ein validiertes Oberarmmessgerät meist die bessere Wahl als ein Gerät am Handgelenk.
- Setzen Sie sich bequem hin und ruhen Sie sich mindestens fünf Minuten aus.
- Stellen Sie beide Füße auf den Boden und legen Sie den Arm auf Herzhöhe ab.
- Legen Sie die Manschette direkt auf der Haut am Oberarm an. Sie muss zur Armgröße passen.
- Sprechen Sie während der Messung nicht und atmen Sie ruhig weiter.
- Messen Sie zweimal mit etwa ein bis zwei Minuten Abstand.
- Notieren Sie beide Werte, den Puls, die Uhrzeit und mögliche Beschwerden.
Für eine bessere Einschätzung können Sie morgens und abends über mehrere Tage messen. Besonders hilfreich ist ein Eintrag, ob Sie dabei saßen, lagen oder gerade aufgestanden waren. So lässt sich erkennen, ob ein dauerhaft niedriger Ruhewert oder eher ein lageabhängiger Blutdruckabfall vorliegt.
| Situation | Was der Wert eher bedeutet |
|---|---|
| Einmalig 90/60 ohne Beschwerden | Oft unproblematisch, zunächst in Ruhe nachmessen |
| Wiederholt niedrige Werte mit Schwindel | Hausärztliche Abklärung sinnvoll |
| Abfall vor allem beim Aufstehen | Hinweis auf eine orthostatische Kreislaufstörung möglich |
| Plötzlicher niedriger Wert mit starken Beschwerden | Dringende medizinische Einschätzung erforderlich |
Was bei akuten Kreislaufproblemen sofort helfen kann
Wenn Ihnen gerade schwindelig ist, setzen oder legen Sie sich hin. Am besten lagern Sie die Beine etwas hoch, sofern keine Atemnot besteht. Dadurch kann mehr Blut zum Herzen zurückfließen. Bleiben Sie nicht stehen, um den Kreislauf „zu testen“.
Wenn Sie wach sind, sicher schlucken können und keine ärztlich verordnete Trinkmengenbegrenzung haben, trinken Sie langsam ein Glas Wasser. Bei Hitze oder starkem Schwitzen kann zusätzlich eine leichte Mahlzeit sinnvoll sein. Alkohol hilft nicht und kann den Blutdruck weiter verschlechtern.
Beim Aufstehen lohnt sich ein langsamer Ablauf. Drehen Sie sich zunächst auf die Seite, setzen Sie sich kurz an die Bettkante und stehen Sie erst danach auf. Kompressionsstrümpfe können bei wiederkehrenden Beschwerden durch langes Stehen hilfreich sein, sollten aber zur Ursache und zur Person passen. Mehr Salz ist kein allgemeiner Selbsthilfe-Tipp, besonders nicht bei Herz-, Nieren- oder Bluthochdruckerkrankungen.
Kaffee kann den Blutdruck kurzfristig beeinflussen, ersetzt aber keine Ursachenklärung. Von frei verkäuflichen Kreislauftropfen oder einer eigenständigen Änderung verordneter Medikamente würde ich abraten. Medikamente sollten nur nach Rücksprache mit der behandelnden Praxis angepasst oder abgesetzt werden.
Wann ärztliche Abklärung oder 112 nötig ist
Vereinbaren Sie einen Termin in der Hausarztpraxis, wenn niedrige Werte wiederholt auftreten, Sie regelmäßig Schwindel haben oder Ihre Leistungsfähigkeit deutlich nachlässt. Das gilt besonders nach einer neuen Medikation, bei Gewichtsverlust, häufigem Durchfall oder Erbrechen und während einer Schwangerschaft.
Die ärztliche Untersuchung kann je nach Situation eine Blutdruckmessung im Liegen und Stehen, ein EKG, Blutuntersuchungen oder eine Langzeitmessung umfassen. Dabei wird nicht nur der Blutdruck betrachtet, sondern auch Puls, Flüssigkeitshaushalt, Medikamente und mögliche Grunderkrankungen.
Rufen Sie 112, wenn der niedrige Wert zusammen mit Brustschmerzen, Atemnot, kaltem Schweiß, Verwirrtheit, starken Schmerzen, ausgeprägter Blässe oder einer Bewusstlosigkeit auftritt. Auch ein möglicher starker Blutverlust, eine schwere allergische Reaktion oder ein plötzlich deutlich schlechter Allgemeinzustand sind Notfälle. In diesen Situationen sollten Sie nicht selbst zur Praxis oder in die Klinik fahren.
Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten ist in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 eine geeignete Anlaufstelle. Bei Unsicherheit und schweren Symptomen ist der Notruf die richtige Entscheidung.
Was langfristig wirklich hilft
Bei einer harmlosen, konstitutionellen Niedrigdrucklage reichen oft regelmäßiges Trinken, ausreichend Schlaf, Bewegung und ein langsames Aufstehen. Ausdauertraining und Übungen für die Beinmuskulatur können den Kreislauf stabilisieren, weil die Beinmuskeln beim Rücktransport des Blutes unterstützen. Ich halte solche einfachen Maßnahmen für sinnvoller als die Suche nach einem schnellen Wundermittel.
Wer oft lange steht, kann die Waden zwischendurch anspannen, die Füße bewegen und die Position wechseln. Bei wiederkehrendem Schwindel sollte außerdem geprüft werden, ob Hitze, große Mahlzeiten, Alkohol oder bestimmte Medikamente die Beschwerden verstärken. Ein Symptom- und Blutdrucktagebuch macht solche Zusammenhänge sichtbar und erleichtert das ärztliche Gespräch.
Das Ziel ist nicht, jeden niedrigen Wert künstlich auf eine bestimmte Zahl zu bringen. Entscheidend ist, die Ursache zu erkennen, Stürze zu vermeiden und gefährliche Situationen nicht zu übersehen. Wer beschwerdefrei ist, muss einen Wert um 90/60 mmHg meist nicht behandeln lassen. Wer sich dabei regelmäßig schlecht fühlt, sollte die Beschwerden ernst nehmen.
Der entscheidende Unterschied liegt zwischen Zahl und Zustand
Ein Blutdruck um 90/60 mmHg kann für die eine Person normal und für die andere ein Warnsignal sein. Die Kombination aus wiederholter Messung, persönlichen Beschwerden und möglicher Ursache liefert die bessere Orientierung als ein einzelner Wert.
Wenn Schwindel oder Schwäche neu sind, messen Sie in Ruhe nach, dokumentieren Sie die Situation und lassen Sie wiederkehrende Beschwerden ärztlich prüfen. Bei Bewusstlosigkeit, Brustschmerzen oder Atemnot zählt nicht das nächste Messergebnis, sondern schnelle Hilfe über 112.
